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Die Stiftsbasilika Waldsassen

Barocke Stiftsbasilika Waldsassen
Die Stiftsbasilika Waldsassen Das markanteste Gebäude an einem zentralen Platz ist die beeindruckende Stiftsbasilika. Sie wurde von der Abtei der Waldsassener Zisterzienserinnen als barocke Klosterkirche gebaut und im Jahr 1704 fertiggestellt. Baumeister waren unter anderem Georg Dientzenhofer und Abraham Leuthner. Seit der Säkularisation im Jahr 1803 ist die Klosterkirche auch Pfarrkirche der katholischen Gemeinde Waldsassen.

Als etwas makabere Besonderheit findet man im Innenraum zwölf sogenannte Katakombenheilige. Dabei handelt es sich um menschliche Skelette, die wahrscheinlich zur Zeit des Neubaus am Anfang des 18. Jahrhunderts aus den Katakomben in Rom genommen und hierher transportiert wurden. Sie sind in kostbare goldene Gewänder gekleidet, hinter Glas ausgestellt und stammen aus den ersten Jahrhunderten des des frühen Christentums. Ihre Namen und ihre Geschichte sind bekannt und im Archiv festgehalten. Sie sind als Heilige Leiber in prächtig ausgestatteten Reliquienschreinen zu sehen. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa findet man eine solche Sammlung von Ganzkörper-Reliquien frühchristlicher Märtyrer. Die Anzahl der Skelette wird zwar vom  Beinhaus in Sedlec bei Kutná Hora in  Tschechien weit übertroffen, jedoch sind die menschlichen Knochen dort nicht als ganze Körper dargestellt, sondern nach Körperteilen sortiert kunstvoll angeordnet.
Katakombenheiliger in der Stiftsbasilika Waldsassen Katakombenheiliger aus den Katakomben von Rom Katakombenheilige in einer Seitenkapelle

Ein Skelett ist eine Frau, die Heilige Ursa. In der rechten Hand hält sie einen Kelch, der als Blutgefäß ihr Martyrium symbolisiert und in der linken Hand hält sie einen Lilienzweig als Symbol für Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit. Sie war also Märtyrerin und Jungfrau. Die Heilige Ursa, Jungfrau und Märtyrerin

Das Chorgestühl in der Stiftsbasilika in Waldsassen Das Chorgestühl ist noch original und mit Schnitzereien verziert. Schnitzereien am Chorgestühl

Unter der Klosterkirche von Waldsassen befindet sich ein Labyrinth von Katakomben. Es wurde so "gut" renoviert und ist so gut beleuchtet, dass nichts geheimnisvolles oder unheimliches übrig blieb. Die Steingewölbe wurden glatt verputzt. Für meinen Geschmack total überrenoviert. Katakomben unter der Basilika Waldsassen Katakomben unter der Klosterkirche in Waldsassen
Katakomben unter der Stiftsbasilika Waldsassen


Stiftsbibliothek Waldsassen

Portal der Stiftsbibliothek Waldsassen Schon das Eingangsportal lässt erahnen, was einen erwartet: Großartige Schnitzereien. Die heutige Ausstattung des Bibliotheksaals stammt aus den Jahren 1724 bis 1726. Die Empore stützen zehn meisterhaft geschnitzte lebensgroße Holzfiguren mit ihren Schultern. Sie sollen in allegorischer Darstellung die verschiedenen Formen des Hochmuts wie Eitelkeit, Heuchelei, Neugierde, Missachtung, Eigenbrötelei, Hoffahrt, Spott, Prahlerei, Zorn und Dummheit darstellen.

Die geschnitzten lebensgroßen Figuren stammen von dem Waldsassener Schreiner Karl Stilp, der sie um 1724 anfertigte.
Stiftsbibliothek Waldsassen, Eingangsportal

Portal der Stiftsbibliothek Waldsassen Vom Innern kann ich nur ältere Bilder anbieten, da jetzt Fotografieren verboten ist und die Bibliothek nur mit Führungen betreten werden kann. Nicht nur die Schnitzereien sind sehenswert, auch die Wände und die Decke sind über und über mit Stuck, Fresken und Flachreliefs verziert. Die Deckengemälde stammen von dem Bayreuther Maler Karl Hofreiter. Sowohl der Holzschnitzer Karl Stilp als auch der Maler Karl Hofreiter waren auch im nicht weit entfernten  Eger, dem heutigen tschechischen Cheb, tätig. Stiftsbibliothek Waldsassen, Eingangsportal

Portal der Stiftsbibliothek Waldsassen Der Mann mit den Pluderhosen und dem verfilzten Bart stellt die Eigenbrötelei dar. Die Ärmel seiner Jacke sind zerfetzt. Er scheint ein rechter Sonderling zu sein, der sein Äußeres ziemlich vernachlässigt. In seinem Bart bauen die Mäuse schon ihr Nest und holen sich Kornähren als Vorrat. Stiftsbibliothek Waldsassen, Eingangsportal
Dieser Mann könnte seiner Kleidung nach ein Kirchenmann sein. Dem widerspricht jedoch das Fell um seine Beine und seine Hände sind gefesselt. Er bildet die Allegorie der Heuchelei. Auf seinem Kopf sitzt der Vogel der Selbsterkenntnis, der ihn in die Nase zwickt. Sein »Erkenne dich selbst!« oder »Nimm dich selbst bei der Nase« kann man eigentlich als Mahnung auf alle zehn Figuren beziehen. Wir kennen den Satz »Erkenne dich selbst!« heute wohl eher vom  Apollotempel in Delphi. Hier, in der Darstellung als Vogel Selbsterkenntnis stammt er aber eher aus der Tiroler Volkskunst.


Das Kloster Waldsassen

Links der Stiftsbasilika schließt sich das sogenannte Abtschloss an, rechts die Bibliothek und weitere Klostereinrichtungen wie ein Kreuzgang. Dahinter befindet sich der Stadtpark Schwanenwiese mit Klostergarten, Umweltstation und Wasserspielplatz.
Abtschloss, Stiftsbasilika und Klosterbibliothek Waldsassen Kloster, Stiftsbasilika und Stiftsbibliothek Waldsassen Kloster, Stiftsbasilika und Klosterbibliothek Waldsassen
Abtschloss, Stiftsbasilika und Stiftsbibliothek

Die Gründungslegende

Im Stadtpark Schwanenwiese steht eine Skulptur, die einen auf einem Esel reitenden Mönch darstellt, und er reitet ziemlich forsch. Es ist eine Darstellung der Gründungslegende des Klosters Waldsassen. Historisch holte der Markgraf des Nordgaus, Diepold III. von Vohburg, um das Jahr 1133 Mönche aus dem Kloster Volkenroda in Thüringen, um mit ihnen ein Zisterzienserkloster zu gründen, das der Heiligen Jungfrau Maria geweiht wurde. Schon 14 Jahre später wurde es Zisterzienser-Abtei mit Reichsunmittelbarkeit.

Der Legende nach hatte ein Mönch namens Gerwig mit einigen Gefährten in der Nähe in Köllergrün eine kleine Holzkapelle gebaut. Markgraf Diepold war sein Freund und versprach ihm so viel Land, wie er an einem Tag mit einem Esel umreiten konnte. Die Grenze markierten sie rundum mit einem Graben, der teilweise heute noch als Eselsgraben bekannt ist. Bei der Skulptur reitet er dabei wilde Fabelwesen nieder, die ihn daran hindern wollen, vielleicht sind das auch Symbole für Dämonen. Es handelt sich eigentlich um einen Brunnen. Im Trockenjahr 2018 lief jedoch im Herbst kein Wasser.
Ein Mönch reitet auf einem Esel Fabelwesen wollen den Mönch am Reiten hindern Dämonen wollen den Mönch am Reiten hindern
Hinter dem Kloster Waldsassen erstreckt sich der Stadtpark Schwanenwiese, wo sich auch der Klostergarten befand.
Kloster Waldsassen vom Stadtpark Schwanenwiese Stiftsbasilika vom Stadtpark Schwanenwiese Alte Brücke vom Stadtpark zum Basilikaplatz


Glasherstellung

Glashütte Lamberts Waldsassen In meiner Heimatstadt Marktleuthen gab es auch eine Glashütte. Sie stellten vom Aschenbecher bis zum Parfum-Flakon Gebrachsgegenstände aus Glas her. Bei einer Vorführung in der Schule wurden Christbaumkugeln geblasen. Eine einfache Sache. Aber mundgeblasenes Fensterglas? Wie soll den das gehen, das muss doch flach sein? Es geht, wenn man weiß wie! Zu einem Tag des offenen Denkmals wurde es in der Glashütte Lamberts in Waldsassen vorgeführt.

Weitere Bilder und Informationen:
 Glasherstellung in Waldsassen
Mundgeblasenes Fensterglas aus Waldsassen


Dreifaltigkeitskirche Kappl (Kappel)

Dreifaltigkeitskirche Kappl (Kappel) Waldsassen Etwas außerhalb von Waldsassen findet man die Wallfahrtskirche der Heiligsten Dreifaltigkeit, kurz Kappl genannt. Georg Dientzenhofer versuchte hier 1685 architektonisch die Heilige Dreifaltigkeit darzustellen. Dazu plante er einen Rundbau mit drei Türmen und drei Dachreitern. Im gesamten Gebäude und in der Kirchenausstattung findet man überall die Zahl 3. Im Jahr 1711 wurde die Kappl geweiht. Wallfahrtskirche der Heiligsten Dreifaltigkeit

Der älteste Vorgängerbau entstand schon im 12. Jahrhundert um ein Dreifaltigkeitsbild an einem Baum, das angeblich Wunder bewirkte. Die Kappl wurde mehrfach beschädigt und fast zerstört. Die Hussitenkriege, der Landshuter Erbfolgekrieg und der Dreißigjährige Krieg brachten auch Jahrzehnte des Verfalls. Erst zum Ende des 17. Jahrhunderts entstand das heutige Erscheinungsbild. Im Innenraum zeigen drei Kuppelbilder die Heilige Dreieinigkeit: Gott Vater, Gott Sohn und den Heiligen Geist.

Im Bild unten schwebt der Heilige Geist als Taube über bunt gemischtem Volk. Bei näherer Betrachtung ist man jedoch irritiert: Da finden sich Soldaten mit Gewehr und Stahlhelm, wie sie im 20. Jahrhundert eingesetzt waren, und Rot-Kreuz-Schwestern, vermischt mit antik gekleideten Personen. Der Grund liegt darin, dass der Dachstuhl der Kappl um 1880 abbrannte. Die Deckenbilder malte der fränkisch-bayerische Maler Oskar Martin-Amorbach in den Jahren 1934 bis 1940, wobei er Personen der Zeitgeschichte darstellte, unter vielen anderen auch Martin Luther und Adolf Hitler. Manche erkennt man an beigefügten Gegenständen, wie zum Beispiel Moses mit den Gesetzestafeln oder die römischen Soldaten am Grab Jesu nach der Auferstehung, und manche Gesichter entsprechen historischen Darstellungen.
Kuppelbild "Heiliger Geist" in der Kappl Waldsassen Deutsche Soldaten des 20. Jahrhunderts auf Kuppel-Fresko Rot-Kreuz-Schwestern auf Decken-Fresko

Der Innenraum der Kappl Waldsassen Alte Tür vom Außenbau zum Zentralbau Stiftsgebiet der Zisterzienserabtei Waldsassen - Stiftland
Der Innenraum der Kappl Alte Tür vom Außenbau zum Zentralbau Stiftsgebiet der Zisterzienserabtei
Waldsassen, das Stiftland

Das Stiftland

Die alte Klosterstadt Waldsassen liegt im nordöstlichen Bayern, in der Oberpfalz, im Landkreis Tirschenreuth, nicht weit von der tschechischen Grenze im sogenannten Stiftland. Vom 12. Jahrhundert bis zur Reformation gehörte das ganze Umland dem Kloster Waldsassen. Sogar die heutige Kreishauptstadt Tirschenreuth gehörte dazu. Üppig fließende Einnahmen aus dem Ablasshandel, Spenden von Novizinnen und Erbschaften machten das Kloster und damit auch die katholische Kirche zum Großgrundbesitzer. Auch das Vermögen von Ketzern, die von der Inquisition zum Tode verurteilt wurden, fiel an die Kirche. Die Bauern waren nur Pächter ihrer Höfe, mussten den Zehnt (Zehent) abgeben und Frondienste leisten.

Auch ein Teil meiner Heimatstadt  Marktleuthen im Fichtelgebirge gehörte einst dem Kloster Waldsassen. Die Urkunde für unsere erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1314 handelt davon, dass Heinrich der Ältere, Vogt von Plauen, dem Kloster Waldsassen Güter im Ort übereignete. Bereits 1354 verkaufte das Kloster die Güter wieder an Albrecht XI. Notthafft von Thierstein.

Die Lourdesgrotte bei Waldsassen

Die Lourdesgrotte bei Waldsassen


Im Jahr 1905 baute die Familie Rockstroh östlich von Waldsassen eine Lourdesgrotte. 1988 wurde sie von der Kolpingfamilie Waldsassen restauriert. Lourdesgrotten gibt es überall auf der Welt. Es handelt sich um Nachbildungen der Originalgrotte von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich, wo 1858 eine Frau nahe der Grotte Massabielle (Massevieille) Erscheinungen einer weiß gekleideten Frau gehabt haben, die sich als Jungfrau Maria herausstellte. Alle Nachbildungen sind unserer lieben Frau in Lourdes geweiht. In einer Felsnische steht die Muttergottes, die Madonna. Gebetststafeln und Dankschreiben sind an die Wände geheftet. Man kann über die Marienverehrung oder die Religion an sich natürlich streiten, aber wenn es Menschen hilft oder ihnen gut tut, warum nicht? Unten rechts eine teilweise verbrannte Kerze mit der trauernden Maria mit Jesus wie bei einer Pieta.
In der Lourdesgrotte bei Waldsassen Madonna, die Muttergottes, in der Lourdesgrotte bei Waldsassen Kerze der trauernden Maria mit Jesus, eine Pieta

Das oben erwähnte Zisterzienserkloster in Sedletz in Böhmen wurde übrigens im Jahr 1142 vom Kloster Waldsassen gegründet. Dort findet man neben den kunstvoll angeordneten Menschenknochen im Beinhaus auch ein Ganzkörper-Skelett des Heiligen Felix in der Klosterkirche.






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