Die Weiße Frau

Das Hausgespenst
der Hohenzollern

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Geister, Gespenster und Untote

Was wir heute als gruselige Märchen und Legenden ansehen, war in früheren Jahrhunderten für die Menschen Realität. Geister, Gespenster, Untote, Feen und Hexen, mal gut, mal böse, ohne rund um die Uhr verfügbares elektrisches Licht sah man im schummrigen Schein der Kerzen manches Unerklärliche. Nachts waren nicht nur alle Katzen grau, sondern auch manche Frau im Nachthemd ein Gespenst. Und auch Männer trugen oft Nachthemden! Und Schlafmützen waren nicht nur ein Synonym für verschlafene Zeitgenossen, sondern auch ein erforderliches Kleidungsstück in Schlafzimmern bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Bei den Burgfräulein war braungebrannte Haut verpöhnt, zeugte sie doch von körperlicher Arbeit im Freien, wie die Bauern! So trugen sie vornehme Blässe zur Schau. Und in der dunklen unheimlichen Nacht wurden Glühwürmchen zu Irrlichtern und Feen, Menschen die bei Vollmond nicht schlafen konnten, zu Werwölfen, und Schutz bot vor allem, sich tief in die Bettdecke zu kuscheln, davor schreckten die Gestalten der Nacht offenbar zurück.

Bei Gespenstern denkt man vor allem an düstere englische Landhäuser und Schlösser. Aber auch in deutschen Burgen spukt es, manchmal. Auch denkt man bei den Spukgeschichten ans Mittelalter, aber die Weiße Frau trat erst im 15. Jahrhundert das erste mal in Erscheinung, also in der frühen Neuzeit. Es wirkt fast wie eine Art Modeerscheinung, dass in den Schlössern und Burgen des Hochadels plötzlich Gespenster hausten. Solche Gruselgeschichten sprechen sich von alleine herum und bildeten schon damals sowas wie Wandermärchen oder Urbane Legenden, und brachten Prestigegewinn, neudeutsch Promotion. Wer im Gespräch ist, der ist wichtig, womit ist egal. So ist es heute noch. Vielleicht war das Auftauchen der Schlossgespenster auch eine Folge der Entmystifizierung der Natur durch die sich ankündigende Aufklärung und durch Alchemisten, Künstler und Forscher der Renaissance, wie  Leonardo da Vinci.

Die Weiße Frau

In unserer Gegend recht bekannt ist die Weiße Frau, ein Gespenst das als Todesbote gilt. Sie beschränkt ihr Erscheinen vor allem auf die Adelssitze der Hohenzollern und gilt deshalb als deren Hausgespenst. Ihr Ursprung ist teilweise historisch verbürgt, teilweise legendenhaft ausgeschmückt:

Landgraf Ulrich I. von Leuchtenberg hatte eine Tochter und nannte sie Kunigunde. 1321 heiratete sie den Grafen Otto VI. von Orlamünde, einen Grafen des Hauses Orlamünde mit Sitz auf der  Plassenburg in Kulmbach und wurde damit Kunigunde von Orlamünde. Otto starb 1340 und offiziell hatten sie keine Kinder, weshalb die Plassenburg damals an die Nürnberger Burggrafen fiel.

Inoffiziell, also in der Legende, hatten sie jedoch zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Als Kunigunde Witwe wurde, verliebte sie sich in den vierten Sohn des Nürnberger Burggrafen. Kein Wunder, wurde er doch Albrecht der Schöne genannt. Auf ihre Anfrage ließ er ihr mitteilen, »dass er sie heiraten würde, wenn nicht vier Augen im Wege stünden«. Sie bezog die Nachricht auf ihre beiden Kinder und tötete sie, indem sie Nadeln in ihren Kopf stieß. Bei kleinen Kindern ist dies leicht möglich, da sich die Schädeldecke noch nicht ganz geschlossen hat. Oben am Hinterkopf befindet sich die Große Fontanelle, ein weicher Verschluss des Schädels, der sich erst nach zwei bis drei Jahren endgültig mit Knochen verschließt.

Schlimm genug, dass eine Mutter überhaupt so etwas tun kann, aber sie hat sich auch noch geirrt. Entweder war sie unzurechnungsfähig aus Liebe, oder, und das halte ich für wahrscheinlicher, einfach dumm. Das ist kein Wunder, versagte man damals Töchtern und Frauen jegliche Bildung mit der Begründung, dass sie für's Kinderkriegen und für den Haushalt keine Bildung bräuchten. In Wirklichkeit hatten bloß die Männer in ihrer Überheblichkeit Angst, durch intelligente Frauen ihre Überlegenheit zu verlieren. Albrecht der Schöne meinte mit den "vier Augen" oder "zwei Augenpaaren" jedenfalls die Augen seiner Eltern. Er hätte ja bloß mitzuteilen brauchen »Meine Eltern sind dagegen!«, aber nein, er war zwar "der Schöne", aber es scheint ihm doch auch etwas an Intelligenz gemangelt zu haben. Adlige Inzucht hat bestimmt auch Spuren hinterlassen. Vielleicht wollte die Legende auch nur beide verunglimpfen, durchaus möglich, dass die Geschichte aus diesem Grund nachträglich erfunden wurde. Für die meisten Leute erschien das Benehmen der Adligen sowieso etwas verrückt, viele hatten ja "einen Vogel" (für die Beizjagd, die Falknerei). Daraus entstand unser Schmähspruch »Du hast ja einen Vogel!«.

Die Legende von der Weißen Frau

Ursprünglich scheint der Dichter, Geschichtsforscher und kaiserliche Hofpfalzgraf Caspar Bruschius der Urheber der Sage zu sein. In seiner Chronologia Monasteriorum Germaniae praecipuorum schreibt er 1552, dass er die Leichen zweier fast unversehrter Kinder im Kloster Himmelkron fand. Wie er diese Kinderleichen in Verbindung mit Kunigunde brachte, konnte ich nicht herausfinden. Wahrscheinlich gab es davor auch schon mündlich überlieferte Legenden. Anscheinend hat der Melkendorfer Pfarrer Johann Löer diese lateinische Schrift 1559 ins Deutsche übersetzt und den Bericht als wahr angenommen. Jedenfalls schreibt er in einer Chronik 1559:
Und dacht, die Kindlein, die ich hätt'
werden gewiß die Augen sein,
die mich berauben des Buhlen mein!
Und wurd' das Weib so gar bethört,
dass sie ihre eigen Kinder ermördt,
und jämmerlich ihres Lebens beraubt,
daß sie es mit Nadeln in ihr Haubt
stach in ihre Hirnschall,
die zart und weich überall.
Andere haben die Legende übernommen und weiterverbreitet, so wie sich heute Verschwörungstheorien verbreiten.

Die Weiße Frau spukte währenddessen munter weiter: Nachdem die Plassenburg 1554 im Zweiten Markgrafenkrieg zerstört wurde und nach ihrem Wiederaufbau der Markgraf Georg Friedrich der Ältere zu Brandenburg hier logierte, soll sie mit Ketten gerasselt, umhergetobt, Hoffräuleins erschreckt und schließlich den Koch und Fourier des Markgrafen erwürgt haben. Das war das einzige Mal, dass sie sich aggressiv verhielt.

Kunigunde fand nach dem Kindermord ein Allheilmittel gegen schlechtes Gewissen und unternahm eine Pilgerfahrt nach Rom. Der Papst versprach ihr die Vergebung ihrer Sünde, wenn sie ein Kloster stiftet und dort eintritt. Sie rutschte auf Knien von der Plassenburg Richtung Berneck (heute  Bad Berneck), das sie mit dieser Fortbewegungsart nicht ganz erreichte. Kurz nach Trebgast brach sie zusammen und gründete ein paar Kilometer weiter das Kloster Himmelkron, wo sie auch starb. An der Stelle zwischen Trebgast und Himmelkron (Oberfranken), an der sie nicht mehr weiterkonnte, steht eine Marter und ein Sühnekreuz.

Marter bei Trebgast: Hier konnte Kunigunde von Orlamünde nicht mehr weiter Figuren auf dem Denkmal, an dem Kunigunde von Orlamünde zusammenbrach Kunigunde von Orlamünde, die Weiße Frau? Aussparungen für christliche Symbole auf einem Sandstein-Denkmal
Neben dem alten Sühnekreuz steht ein stark verwittertes Denkmal aus Sandstein. Wahrscheinlich war es eine Marter und ein Gebetsplatz für die Nonnen des 1279 gegründeten Zisterzienserinnenklosters Himmelkron. Dieses bestand bis 1548, als das Land protestantisch wurde. Der Sage nach steht das Denkmal an dem Platz, an dem Kunigunde von Orlamünde nicht mehr weiter konnte. Das Kloster Himmelkron kann sie nicht gegründet haben, da dieses zu dem Zeitpunkt schon mehrere Jahrzehnte bestand. Aber mit historischen Beweisen kann man Legenden nicht wiederlegen.

Man erkennt noch zwei gehende Figuren, die erste gebückt, darüber Aussparungen, wo vielleicht einmal christliche Symbole, ein Kruzifix oder ein Engel, angebracht waren. Nach einer Beschreibung handelt es sich um die Szene, wo Simon aus Kyrene Jesus auf dem Weg nach Golgatha das Kreuz tragen hilft. Der Überlieferung nach gingen die Nonnen aus Himmelkron jeden Nachmittag um 3 Uhr bis zur Marter und verrichteten dort ein Gebet. Wahrscheinlich stand die Marter an der Flurgrenze zwischen Trebgast und Himmelkron und dürfte um 1450 errichtet worden sein. (Dill 1984 und  www.suehnekreuz.de)
Mit den alten Geschichten ist es allerdings nicht getan. Wie das bei solch dramatischen Tragödien oft so ist, konnte Kunigunde nach ihrem Tod keine Ruhe finden und sucht seither die Schlösser der preußischen Hohenzollern als Gespenst heim, oft als böses Omen und Todesbote. Nachdem sie 1809 dem französischen General Jean-Louis-Brigitte Espagne im Schloss Bayreuth erschienen war, fiel er wenige Tage später in der Schlacht bei Aspern.

Wahrscheinlich hat man das auch Napoleon Bonaparte erzählt. Jedenfalls soll er schlecht geträumt haben, als er drei Jahre später in der  Eremitage in Bayreuth übernachtete. Dabei soll sie als Weiße Frau aus dem Rahmen eines Porträts herausgetreten und auf sein Bett zugeschritten sein. Kein Wunder, das Bild hing auch an einer Geheimtür, einer sogenannten Tapetentür. Vielleicht wollte eine neugierige Dienerin nur mal den schlafenden Napoleon sehen, aber man weiß ja, dass er nur sehr wenig Schlaf brauchte und einen leichten Schlaf hatte.

Himmelkron oder Himmelthron?


Historiker behaupten "komischerweise", dass Kunigunde das Schloss und Dorf Gründlach bei Nürnberg kaufte und dort das Zisterzienserinnenkloster Himmelthron gründete, wo sie 1382 starb. Noch heute steht dort ihr Epitaph.

Über die Geschichten kann man nur auf gut fränkisch sagen: »Nix g'wiss's waaß ma net!«. Es gibt sie nämlich auch noch in verschiedenen Variationen.

Aber wer glaubt schon Historikern, wenn die Phantasie viel interessanter ist!
Epitaph für Kunigunde von Orlamünde in Großgründlach bei Nürnberg
Epitaph für Kunigunde von Orlamünde
in Großgründlach bei Nürnberg, wo sie angeblich
das Kloster Himmelthron gegründet hat.

Beschreibung:
Cunegunde Gräfin von Orlamuende
geborne Landgräfin von Leuchtenstein
Äbtissin von Himmelthron
gest. anno 1378 in Himmelthron bei Grindelach

Foto: gemeinfrei



Die Banshee

Ein weiteres weibliches Gespenst, das auch ein bevorstehendes Sterben ankündigt, eine Todesbotin, ist zum Beispiel die Banshee, die Geisterfrau aus dem Feenreich. Sie hat schottisch-irische Wurzeln und der Ursprung liegt möglicherweise auch in der keltischen Kultur. Auch sie wird als totenbleich und weiß gekleidet und mit verweinten Augen beschrieben. Sitzt sie vor dem Fenster eines Hauses und weint, kündigt sie den Tod eines Familienmitglieds an.
Banshee, die Geisterfrau aus dem Feenreich, auch ein Todesbote


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