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aus Italien: Golf von Neapel

Pompeji

  Bilder und Reiseberichte
  Der Golf von Neapel


Die antike Stadt Pompeji am Golf von Neapel wurde auf einem Lavaplateau errichtet, das der Vesuv bei viel früheren Ausbrüchen aufgeschichtet hatte. Dadurch hatte man festen Baugrund und lag etwas erhöht, so war auch die Gefahr von Überschwemmungen gebannt, obwohl Pompeji damals näher am Meer lag als heute. Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen dauerhaften Bestand.
Im ausgegrabenen antiken Pompeji So entstand eine Metropole der Antike, die über sieben Jahrhunderte lang gedieh und von verschiedenen Volksgruppen gewohnt wurde. Der Legende nach wurde sie von dem griechischen Halbgott Herakles oder Herkules ca. 700 vor Christus gegründet, in Wirklichkeit wahrscheinlich von einem Volk, das sich die Osker nannte, ein indogermanisches Volk, das man kulturell mehr den Griechen zurechnen müsste. Neben diesen siedelten hier im Lauf der Jahrhunderte Menschen, die sich den Griechen, Etruskern und Samniten zugehörig fühlten. Die Römer übernahmen wahrscheinlich erst nach und nach ihre später dominierende Rolle.

700 Jahre geologische Ruhe bedeutete aber eben auch, dass sich Spannungen im Untergrund nicht ausgleichen konnten und der Druck sich nicht abbauen konnte, sondern beides sich anreicherte. Unter Pompeji sammelte sich eine ungeheuere Energie an, die explosionsartig frei wurde, als die feste Erdkruste sie nicht mehr unterdrücken und einschließen konnte.
Pompeji: Der Vesuv vom Forum aus gesehen

Der Vesuv

Dass die Stadt auch heute so berühmt ist, liegt daran, dass durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus das ganze Gebiet mit Vulkanasche bedeckt und damit konserviert wurde. Durch diese natürliche Abdeckung blieben nicht nur Steinmauern erhalten, sondern eben auch die berühmten Fresken und die Abdrücke der von der glühend heißen Asche getöteten Menschen. Nicht verwechseln darf man das antike, ausgegrabene Pompeji mit der heutigen italienischen Stadt Pompei, die ca. 25 000 Einwohner zählt und rund um die Ausgrabungsstätte liegt. Das Erstaunliche an der Zerstörung der antiken Stadt ist auch, dass der Gipfel des Vesuv fast 10 km entfernt liegt, was die Reichweite und Wucht der pyroklastischen Ströme verdeutlicht.
Auf dem Bild links sieht man den Vesuv im Hintergrund vom Forum in
Pompeji aus gesehen. Im Vordergrund ein Sockel auf dem eine Statue stand.
Porta Marina in Pompeji

Porta Marina,

Betritt man das Ausgrabungsgelände durch einen der Eingänge und hofft, sich erst mal einen Überblick zu verschaffen, wird man schier erschlagen von der enormen Größe. Die meisten Besucher nehmen sich einen Nachmittag und besuchen die bekanntesten Fresken, vor allem natürlich die erotischen Abbildungen in den Forumsthermen und im städtischen Bordell. Möchten sich Interessierte die ganze Stadt und alle Gebäude etwas genauer ansehen, kann man durchaus auch mehrere Tage in dem Ausgrabungsgelände zubringen.
Auf dem Foto links der Eingang
an der Porta Marina bei den Vorstadtthermen.

Das Forum in Pompeji mit dem Vesuv, davor der Jupiter-Tempel

Das Forum

Geht man von der Porta Marina geradeaus Richtung Osten, kommt man auf einen großen rechteckigen Platz, umgeben von den verschiedensten Gebäuden. Es ist das Forum, das vor allem für Veranstaltungen genutzt wurde, bei denen viele Menschen zusammenkamen, also zum Beispiel für Märkte, Volksversammlungen und Feste, ein vielseitig verwendbarer Versammlungsort eben.

Blickt man Richtung Norden, erblickt man den zwar fast 10 km entfernten, aber trotzdem durchaus bedrohlich wirkenden Vulkan  Vesuv, Heute ist er "nur" 1281 m hoch. Bevor sein Gipfel durch den Ausbruch weggesprengt wurde, lief er spitz zu und war an die 2000 m hoch!

Das Forum in Pompeji im Abendlicht

Das Forum in Pompeji im Abendlicht

Imposante Säulenreihen künden von der einstigen Pracht am Forum
Das Forum in Pompeji mit dem Vesuv, davor der Jupiter-Tempel Das Forum in Pompeji mit dem Vesuv, davor der Jupiter-Tempel

Die Fresken

Fresko im Haus des Menander in Pompeji Bilder aus alter Zeit betrachten wir in Mitteleuropa schon als sehr alt, wenn sie aus dem Mittelalter stammen. Im Gegensatz zu den Abbildungen und Reliefs in Ägypten, wo vor allem die Trockenheit für die Konservierung der Farben sorgte, haben wir hier in Pompeji 2000 Jahre alte, teilweise recht gut erhaltene Freskenmalereien, denen das Wetter nichts anhaben konnte, weil sie unter meterhohen Schichten von Vulkanasche begraben waren.

Durch ihre recht lebensechte Darstellungsweise erfahren wir viel über das Leben, die Menschen, die Kleidung, die Landschaft und die Bebauung im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Links zum Beispiel ein Fresko aus dem Haus des Menander, auf dem Kassandra sich an eine Skulptur der Athene klammert. Ajax der Lokrer zerrt sie weg, um sie zu vergewaltigen, dahinter stehen Priamos und Paris, der die Helena entführt. Griechische Mythen, Jagdszenen, aber auch erotische Darstellungen waren sehr beliebt.


Die Gipsabgüsse der Opfer des Vulkanausbruchs

Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als der Archäologe Giuseppe Fiorelli die Ausgrabungen leitete, ging man dazu über, gefundene Hohlräume mit Gips auszugießen. Organische Materialien, die im Verlauf der 2000 Jahre vertrocknet, verschwunden oder zumindest geschrumpft waren, erschienen nach dem Erhärten des Gipfausgusses in ihrer ursprünglichen Form. So brachten die Archäologen im Lauf der Zeit die lebensechten Umrisse von umgekommenen Menschen und Tieren, aber auch Pflanzen und Nahrungsreste, Holzmöbel und Wurzeln zum Vorschein.

Besonders berühmt wurden die Gipsabdrücke der bei dem Vulkanausbruch getöteten Menschen. Man findet sie in einem museumsartigen Gebäude im Amphitheater und im Garten der Fliehenden. Die typische sogenannte Boxerhaltung entsteht übrigens durch eine Schrumpfung der Muskulatur nach dem Tod in der großen Hitze des Pyroklastischen Stroms.

Gipsabdrücke von getöteten Menschen in Boxerhaltung in Pompeji Gipsausgüsse der Opfer des Vulkanausbruchs des Vesuv Gipsabgüsse von getöteten Menschen in Pompeji

Einige in Pompeji verbliebene Statuen

Bemooste Statuen in Pompeji

Statuen

Die meisten der heute noch vorhandenen Statuen stehen in Museen auf der ganzen Welt oder eben im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel, wo sie in Sicherheit sind, da in den riesigen unübersichtlichen Ausgrabungen immer wieder Artefakte gestohlen wurden und werden.

Bei der Nekropole nahe der Porta Nocera stehen noch einige Statuen unter einer einfachen Überdachung. Als ich mich bei einem Gewitter dort unterstellte, merkte ich, warum eine der Statuen total bemoost ist: Das Dach ist uralt und undicht.

Trotz der jährlichen Millioneneinnahmen durch Besucherströme aus aller Welt, sind offenbar keine Mittel vorhanden, eine einfache Überdachung abzudichten. Viele Teile der Ausgrabungen waren wegen "Bauarbeiten" gesperrt. Schaut man jedoch genauer hin, sieht man, dass viele der sogenannten Baustellen schon lange keine "Arbeiten" mehr gesehen haben und es gibt Bereiche, die man durchaus als vernachlässigt bezeichnen muss.

Wohin die Euro-Millionen der Eintrittsgelder verschwinden, darüber kann man nur spekulieren. Die Schäden an den historischen Stätten schiebt man stattdessen dem Wandalismus der unvernünftigen Touristen in die Schuhe. Teilweise sicher auch richtig, aber eine Bewachung der jahrtausendealten und sehr wertvollen Fresken und Gebäude wäre sehr aufwändig und wird nur stellenweise durchgeführt (Stand 2015).

Die Via di Nocera führt zum Noceraner Tor

Stadtmauer und Stadttore

Pompeji war mit einer Stadtmauer von über 3 km Länge umgeben, die acht Stadttore enthielt.

Hier das Nocera-Tor, die Porta Nocera, oder auch das Noceraner Tor in der südöstlichen Stadtmauer zwischen der Großen Palästra, dem Campus, und einer Nekropole außerhalb der Stadtmauer.
Das Noceraner Tor, die Porta Nocera

Das Amphitheater

In der Südostecke der antiken Altstadt Pompeji findet man das riesige ovale Amphitheater.
Wuchtige Mauern mit Steinbögen stützen die Ränge von außen. Es ist viel älter als die meisten römischen Amphitheater wie das Kolosseum in Rom. Damals baute man die Zugangstreppen zu den Zuschauerrängen an die äußeren Stützmauern.
Das Amphitheater von Pompeji Außenmauern des Amphitheaters von Pompeji
Hier feierte man Feste und hielt Schaukämpfe zwischen Menschen und zwischen Tieren, aber auch gemischt, Gladiatoren und Athleten zeigten ihr Können. Informationen über die Feste im Amphitheater erhielten die Archäologen durch Inschriften und Graffiti an den Wänden in Pompeji. Wie bei den meisten dieser Bauten befinden sich unter den Sitzreihen für die Zuschauer katakombenartige Räume für die verschiedensten Zwecke.
Zuschauerreihen des Amphitheaters von Pompeji Katakombenartige Räume unter den Zuschauerreihen des Amphitheaters Pyramidenförmiges Museum im Amphitheater für die Gipsabgüsse der toten Menschen
Zuschauerreihen des Amphitheaters von Pompeji Eingangsportal zum Amphitheater, die Treppen für die oberen Zuschauerreihen befinden sich außen Eingangsportal zum Amphitheater und pyramidenförmiges Museum

Weingärten in Pompeji

Im Bereich der Stadt fand man bei den Ausgrabungen rund 2400 Wurzellöcher, die wahrscheinlich größtenteils von Weinstöcken stammen. Nördlich des Amphitheaters, im Foro Boario, befindet sich heute wieder ein Weingarten. Man baut hier eine Rotweinsorte an, die wahrscheinlich schon vor 2000 Jahren den Weinbau in Pompeji dominierte, den Piedirosso. Am Horizont lauert fast bedrohlich der Vesuv.
Weingärten in Pompeji Weingarten in Pompeji Weinbau in Pompeji

Mosaiken

Wie bei allen römischen Ausgrabungen wurden auch in Pompeji zahlreiche Mosaiken gefunden. Die besten und wertvollsten befinden sich im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel und in anderen Museen. Hier an ihrem Originalplatz würde ihnen die Witterung zu sehr zusetzen und bei gelockerten Mosaiksteinchen ist die Versuchung für Touristen einfach zu groß, mal einen als Andenken mit nach Hause zu nehmen, was natürlich streng verboten ist. Bei der großen Menge an Besuchern jeden Tag würde von Pompeji wahrscheinlich bald nichts mehr übrigbleiben, würde man solchen Missbrauch nicht bekämpfen. Das Mosaik rechts mit dem Namen Memento mori steht ebenfalls im Archäologischen Neapel.
Mosaiken in Pompeji

Die Nekropole am Nocera-Tor

Vor den Stadttoren lagen die Friedhöfe, Totenstädte oder Nekropolen. Wer in die Stadt wollte, musste an den Grüften und Mausoleen vorbei.
Grabmal am Nocera-Tor Statuen in einem Grabmal am Nocera-Tor
Die Nekropole am Nocera-Tor

Die Große Palästra (Campus)

Die Große Palästra (Campus)

Nachdem die Samnitische Palästra und das Forum Triangolare für die Masse an Menschen zu klein wurden, baute man westliche des Amphitheaters die Große Palästra, die sowohl für körperliche sportliche Ertüchtigung als auch für geistige Erziehung bestimmt war. Die sportliche Ausbildung hatte vor allem den Zweck, die militärische Ausbildung vorzubereiten und zu unterstützen. In der Mitte der Freifläche befand sich ein Schwimmbecken.
In der Großen Palästra, dem Campus, in Pompeji

Pompeji als Romanvorlage und Filmvorlage

Die Ausschweifungen der Vergnügungsviertel Pompeji's und die Zerstörung durch den Ausbruch des Vesuvs haben natürlich die Phantasie der Menschen beflügelt. Neben zahllosen Sachbüchern, Bildbänden, Film- und Video-Dokumentationen gibt es Historische Romane und Spielfilme, die versuchen, der Realität nahe zu kommen und gleichzeitig spannende Geschichten zu erzählen.

Ein Standard-Werk in dieser Hinsicht ist wohl der Historische Roman Die letzten Tage von Pompeji, den Edward Bulwer-Lytton schon im Jahr 1834 schrieb. An ihm orientierten sich zwei Spielfilme von 1959 und 1984. Voller Pathos beschreiben sie das dekadente Leben und den moralischen Verfall der Stadt der Reichen und Mächtigen, die Korruption und Intrigen. Unterschwellig erregen sie den Eindruck, der Ausbruch des Vesuvs wäre die Strafe für ihre Verderbtheit. Natürlich, geschieht ihnen recht! Ungerechtigkeiten, Lügen, Habgier, Hass und Mordlust gehen unter und so mancher geliebter Held entkommt dem Inferno, wie in allen Dramen von der Antike bis zur Gegenwart.

Auch der Widerstreit der Religionen und Weltanschauungen wird verwendet, um ein düsteres Szenario zu erzeugen. Sogar Christenverfolgungen werden als schändliche Taten herangezogen, obwohl die Stadt in dieser Hinsicht wohl eher tolerant und weltoffen war. Ließ man neben den römischen Göttern ja auch die Verehrung der griechischen Götter zu und sogar der Isis-Kult im Isis-Tempel mitten in Pompeji war kein Streitobjekt. Lieber ein paar mehr Götter verehren. Kann ja nichts schaden, man weiß ja nie… Auch taten sich die beiden Kaiser Vespasian und Titus zu dieser Zeit eigentlich nicht als Christenverfolger hervor. Aber ein Roman oder Spielfilm ist keine Dokumentation und die Dramaturgie fordert ihren Tribut.

Mein persönlicher Favorit ist der Historische Roman Pompeji von Robert Harris. Obwohl voller Informationen, erzählt er gleichzeitig die spannende Geschichte des jungen Wasserbaumeisters Attilius, der versucht, den Serino-Aquädukt (die aqua Augusta) zu reparieren, die von den Erdbeben und Verwerfungen als Vorboten des Vulkanausbruchs beschädigt wurde. Sie war wichtig, um den Hafen der römischen Kriegsflotte in  Misenum mit Wasser zu versorgen (nicht zu verwechseln mit der antiken römischen Wasserleitung Aqua Alsietina, die auch Aqua Augusta genannt wurde und Rom versorgte). Roman Polanski plante eine Verfilmung, kapitulierte aber angesichts der Kosten. Ein Fernseh-Mehrteiler ist geplant.

Der vorerst letzte Spielfilm ist Pompeii von 2014, der von Paul W. S. Anderson als moderner Katastrophenfilm in 3D gedreht wurde. Auch hier ist der Vesuv-Ausbruch in eine Liebesgeschichte mit verbotener Liebe und den Freiheitskampf eines Sklaven eingebunden.



Fotos und Texte © 2016 by  Erwin Purucker und  Janis Purucker







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